Leserbrief von Martina Munz zum Leitartikel „Der Ausstieg ist keiner!“ von Zeno Geisseler -
Im Leitartikel der SN vom 8.September 2012 unterstellt Zeno Geisseler der Regierung, sie schenke der Bevölkerung bezüglich Ausstieg aus der Atomenergie nicht reinen Wein ein. Das darf man so nicht stehen lassen. Die Frage ist nur, was man unter Ausstieg verstehen will. Massgebend und somit entscheidend ist letztlich die Energiebilanz. Wenn wir so viel Ökostrom in unser Verteilnetz einspeisen, wie wir selber verbrauchen, dann haben wir den Ausstieg geschafft. Die Diskussion, ob zusätzlich Atomstrom oder anderer nicht erneuerbarer Strom in unseren Leitungen mitschwimmt ist müssig. Wichtig ist, dass der Ökostrom tatsächlich genutzt bzw. verkauft wird. Das wiederum ist heute noch eine Frage des Marketings und der unterschiedlichen Preisstruktur. Ökostrom wäre konkurrenzfähig, würde der Atomstrom seine Kosten decken.
Mit vier grossen Windanlagen auf Kantonsgebiet könnten gemäss Studien bis gegen 70% des Stromverbrauchs der Schaffhauser Haushalte produziert werden. Photovoltaik, Geothermie und Wärmekraftkopplung werden heute noch kaum genutzt. Warum nur will Zeno Geisseler lieber an neue Atomreaktortypen glauben, welche bestenfalls etwas weniger problematische Abfälle hinterlassen, als an eine erneuerbare Zukunft? Die 60 Jahre Atomenergie haben die Entwicklung der Erneuerbaren blockiert und hinterlassen einen riesigen Berg an nicht verwertbarem, gefährlichem Abfall. Wollen wir nochmals 60 Jahre Zauberlehrling spielen? Hat die Atomkraft nicht schon genug Leid gebracht und bedroht mit ihren Abfällen auch unsere Region? Machen wir doch die Erneuerbaren endlich salonfähig. Sie bringen Wertschöpfung und Arbeitsplätze in unsere Region. Hören wir doch auf, Uran aus zwielichtigen Ländern mit ihren undurchsichtigen Aufbereitungsmethoden zu importieren. Unsere Abhängigkeit ist viel weniger gross, wenn wir ergänzend z.B. Windstrom aus der Nordsee beziehen. Ich bin davon überzeugt, dass die Energiefrage mittelfristig auch entscheidend sein wird für die Wettbewerbsfähigkeit einer Region. Innovative Lösungen und eine sparsame Nutzung von Energie sind auch Zeichen des Fortschritts und verhelfen einer Region zu einem positiven Image. Das kann auch helfen das drohende Atommülllager bei uns zu verhindern. Verharren wir nicht in alten Denkmustern. Steigen wir jetzt um, wir müssen nur wollen!
13.9.2012, Martina Munz, Kantonsrätin Hallau
















