Leserbrief von Stefan Marti – Mir sind fast die Tränen gekommen, als ich in der SN gelesen habe, dass Leute, die eine Million steuerbares Vermögen besitzen, in Schaffhausen Fr. 5000.- an Steuern hinblättern müssen. Die armen Leute müssen sich ja massiv einschränken! Wenn man bedenkt, dass eine Million bei einem Prozent Zins auf dem Bankbüchli nur gerade lausige Fr. 10’000.- Jahresertrag bringt. Dies ohne dass – der vielleicht sogar sonst fleissige – Besitzer dafür auch nur einen Finger gerührt hätte. (Den rühren andere für ihn.) – Meine Mutter pflegte zu sagen: ‘Soviel kann man mit zwei ehrlichen Händen gar nicht verdienen…’. – Es soll also tatsächlich Menschen aus Fleisch und Blut mit Herz und allem geben, die nicht nach Schaffhausen ziehen, weil sie anderswo Fr. 2’500.- pro Million weniger an Steuern bezahlen müssen?! – Ich höre meine Mutter sagen: ‘Bi de Riiche lehrt mer spare’! – Und ich frage mich: Sind solche Geizkrägen in Schaffhausen wirklich willkommen? Leute, die den Staat, die Gemeinschaft, die doch ihren Besitz achtet, so sehr verachten, dass sie nicht einmal bereit sind ein halbes Prozent ihres riesigen Vermögens an das Wohl Aller beizutragen? Leute, die mit ihrer Nichte eine Scheinehe eingehen, um die Erbschaftssteuer zu umgehen? Das ist doch pervers.
Leider ist Reichtum ohne Leistung aber seit Jahrtausenden eher die Regel als die Ausnahme. Und es braucht wahrscheinlich nochmals mindestens tausend Jahre, bis alle fleissigen Hände mehr oder weniger gleichmässig belohnt werden. Immerhin wäre mit einer gesamtschweizerischen Erbschaftssteuer und überhaupt mit einer Steuerharmonisierung schon ein kleiner Schritt in Richtung ausgleichender Gerechtigkeit getan… Punkto Unternehmensbesteuerung wird der Druck aus Europa, wie zuvor bei der listigen Unterscheidung von Betrug und Hinterziehung, das Seine bewirken. Das schelmische Händereiben angesichts von Steuergeschenken dürfte bald ein Ende haben. Punkto Schaffhausen wird sich dann zeigen, ob es noch andere Standortvorteile gibt. Für mich kann ich allerdings sagen, eigentlich sind sowieso alle, die nicht hier wohnen können ‘armi Siechä’
Stefan Marti







